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Viele Düsseldorfer freuen sich auf die „Schneckenpost“ der Robert-Schumann-Hochschule. So haben dann alle Interessierten die wunderbare Möglichkeit, auszusuchen, was wann gehört, besucht und mit Sicherheit genossen werden wird.
Die Januar/Februar-2012-Ausgabe brachte eine Neuigkeit, die der IKiD begrüßt und eigentlich auch erwartet hat. Alexander Schmalcz wurde zum Professor an der Robert-Schumann-Hochschule ernannt.
Er ist ein „alter Bekannter“ des IKiDs. Alexander Schmalcz spielte mit Claus Reichardt, Professor und ehemaliger Rektor der Robert-Schumann-Hochschule, zur InCom an der Heinrich-Heine-Universität die Cello-Sonaten von Mendelssohn und Schumann.
Es ist müßig zu erwähnen, dass beide Konzerte mit großem Interesse und vor allen Dingen mit Begeisterung aufgenommen und verfolgt wurden. Noch heute spricht man darüber.
Dass Alexander Schmalcz selbstverständlich auch ein perfekter Begleiter von Sängerinnen und Sängern ist, hat er bereit durch entsprechende Einspielen mit bekannten Interpreten unter Beweis gestellt, Vieles ließe sich hier noch anführen. Es soll aber hier die Robert-Schumann-Hochschule sprechen. Matthias Schwarz, Pressereferent, hat dies aufgearbeitet und entsprechend dargestellt.
Der Sänger ist so gut wie sein Begleiter
Die Musik ist zu laut. Alexander Schmalcz bittet die Kellnerin, das Radio leise zu stellen. Das ständige Gedudel in Cafés regt ihn auf: „Musik ist heute allgegenwärtig. Wir haben das Zuhören verlernt“, sagt er. Alexander Schmalcz weiß, wie wichtig das aufmerksame Zuhören ist: Es gehört zu seinem Beruf. Der 42-jährige Pianist ist Liedbegleiter und hat seit November eine Professur an der Hochschule. Wenn Schmalcz eine Sängerin oder einen Sänger am Flügel begleitet, achtet er auf jedes Wort und jeden Ton. Schmalcz nimmt sogar die Atemzüge wahr. „Das Atmen verändert die Musik“, hat er beobachtet. „Ich muss in der Lage sein, mit dem Sänger zu atmen.“
Wer mit einem Sänger zusammenarbeitet, braucht nicht nur viel Empathie, sondern muss auch Freude an der Sprache haben. „Ich gehe die Lieder Wort für Wort durch“, sagt Schmalcz. Dabei geht es ihm um die entscheidende Frage: Wie soll ein Lied klingen? Soll es melancholisch, heiter oder traurig sein? Welche Gefühle, Assoziationen, soll es beim Zuhörer auslösen? Viele Sängerinnen und Sänger haben eine klare Idee im Kopf, wie ein Lied klingen soll, andere wiederum überlassen ihrem Pianisten viel Freiraum. Ob Sänger und Begleiter ihr Publikum begeistern können, hängt vom harmonischen Zusammenspiel ab. „Der Sänger ist nur so gut wie sein Begleiter“, stellt Schmalcz selbstbewusst fest. Als erfahrener Musiker weiß er, dass der Begleiter einen Liederabend entscheidend prägt, auch wenn das Publikum seinen Einfluss nicht immer wahrnimmt. „Vom Pianisten kommen entscheidende musikalische Impulse“, erklärt Schmalcz, „er beginnt meistens das Lied und gibt Tempo und Dynamik vor, sollte aber auch genau wissen, wann er sich zurücknehmen muss.“ Ein guter Begleiter bringt viel Konzerterfahrung mit. Schmalcz konnte in seiner beruflichen Laufbahn mit vielen Koryphäen zusammenarbeiten. Zu seinen Partnern gehören Peter Schreier, Grace Bumbry und Anna Tomowa-Sintow sowie Edita Gruberova und Matthias Goerne. Seine Liebe zum Gesang reicht zurück in seine Jugend. Bis zu seinem 19. Lebensjahr lebte Schmalcz im Internat des Kreuzchores, wo er nicht nur das Singen, sondern auch das Klavierspiel lernte. Alexander Schmalcz wuchs in Dresden auf, seine Mutter war Schulleiterin, sein Vater Techniker. Musik spielte in seiner Familie keine große Rolle – bis seine erste Musiklehrerin sein Talent entdeckte. Nach der Schulzeit im Kreuzchor-Internat studierte Schmalcz in Holland und in England. In London lernte er an der Guildhall School of Music and Drama, wo er bei Iain Burnside und Graham Johnson eine exzellente Ausbildung genoss.
In der britischen Hauptstadt reifte auch sein Wunsch, eine Karriere als Klavierbegleiter zu verfolgen – mit Erfolg: Schmalcz gastiert regelmäßig in den großen Musikzentren Europas, Nordamerikas, Japans und Koreas und ist bis heute ein sehr gefragter Liedpianist. Sein Erfolg spiegelt die veränderte Rolle des Liedbegleiters wider: Die Pianisten verstecken sich nicht mehr hinter dem Flügel. Sie treten aus dem Schatten ins Rampenlicht und präsentieren sich als Solisten, die zum Gelingen eines Liederabends beitragen. Dieses Selbstbewusstsein möchte Alexander Schmalcz auch seinen Studenten vermitteln. „Wer das Gefühl hat, als Liedbegleiter nur die zweite Geige zu spielen, der sollte es lieber sein lassen“, sagt er und spricht damit auch den meisten Sängern aus dem Herzen. Schließlich bilden Sänger und Begleiter eine „Symbiose“: Der eine kann ohne den anderen nicht überleben. Diese Wertschätzung manifestiert sich auch in der Lehre. Die Robert Schumann Hochschule gehört zu den wenigen Musikhochschulen in Deutschland, die sich eine eigene Professur für Liedgestaltung leistet. Bei der Finanzierung half die Gesellschaft der Freunde und Förderer. Von einem Liedbegleiter wird heute viel verlangt, er muss flexibel sein und schnell lernen können. Heute spielt er Schubert, morgen Brahms. Heute begleitet er eine zarte Sopranistin, morgen einen kräftigen Bariton. Ein Liedbegleiter muss daher nicht nur transponieren können, sondern auch in der Lage sein, das Klangbild anzupassen. Hinzu kommt ein gewaltiges Repertoire: Allein Franz Schubert hinterließ 800 Lieder. Der österreichische Komponist gehört übrigens zu den Lieblingskünstlern von Alexander Schmalcz. Gemeinsam mit dem Bariton Matthias Goerne, der an der Robert Schumann Hochschule eine Stiftungsprofessur inne hatte, hat er jetzt bei harmonia mundi eine CD mit Schubert-Liedern herausgegeben.
Sie trägt den romantischen Titel Nacht und Träume. Für Träume und stille Töne bleibt im Alltag leider wenig Zeit. Konzertreisen, Meisterkurse und der Unterricht an der Hochschule prägen seinen Terminkalender. Auch die Musik im Café ist wieder lauter geworden. Alexander Schmalcz blickt verärgert zum Lautsprecher über dem Eingang. „Das ist immer so. Irgendwann wird es wieder lauter.“
Matthias Schwarz