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Johann Wolfgang von Goethe, Ölgemälde von Joseph Karl Stieler, WIKIPEDIA
Vor wenig mehr als zweihundert Jahren, nämlich 1797, wurde Harry Heine in Düsseldorf geboren, und selbst heute noch würde er wegen dieser Worte in den meisten Ländern verfolgt werden. Was hätte er bis 2011 nach seinem Tod 1856 (auch Robert Schumanns) in Düsseldorf erlebt?
Heines Sprache, Heines Musikverständnis, Heines Malereiauffassung, Heines Demokratieverständnis, Heines Kosmopolitismus, Heines Hang zum Geld, Heines Religion (er ließ sich evangelisch taufen - genau wie auch Felix Mendelssohn Bartholdy getauft wurde), mussten ihn ja vertreiben. Er ging als Düsseldorf kulturell aufblühte. Düsseldorf hatte seinerzeit fast zwanzigtausend Einwohner.
„Deutschland, meine ferne Liebe,
Gedenk ich deiner, wein’ ich fast!
Das munt're ‘Frankreich scheint mir trübe,
Das leichte Volk wird mir zur Last.“
Ich würde nicht die Augen niederschlagen.“
Felix Mendelssohn Bartholdy, Gemälde von Eduard Magnus (1846), WIKIPEDIA
Bei Heinrich Heine drängt sich der Verdacht auf: „Nur ein toter Dichter ist ein guter Dichter.“ Es ist schwer, über Heine etwas zu sagen, das ihm gerecht wird und selbst noch heute andere nicht trifft. In unserer Zeit ist Heine immer noch nicht unbedingt Inhalt des Unterrichtes an Schulen - jedenfalls in Deutschland nicht. Auch in seiner Geburtsstadt ist sein Bekanntheitsgrad nicht eben riesig. Zumindest kennt man seinen Namen.
Was hat er denn getan, dass er auch heute noch geradezu gemieden wird? Nun, er hat Dinge gesagt, die immer noch Gültigkeit haben. So berichtete er 1825-1826 aus dem britischen Oberhaus:
„Die ganze Welt, sagt er, (Lord King) ist jetzt zu vernünftig, um Regierungen zu entschuldigen, welche ihre Untertanen wegen Religionsdifferenzen bedrücken oder irgendeines Rechts berauben. Irland und die Türkei könnte man als die einzigen Länder Europas bezeichnen, wo ganze Menschenklassen ihres Glaubens wegen unterdrückt und gekränkt werden.“
Sein, wie er sagte, Entrée Billet half nicht. Man fährt ja auch nicht nach Rom, um Luther-Denkmäler zu besuchen.
Friedrich Heinrich Jacobi nach einem Portrait von Johann Peter Langer (1801), WIKIPEDIA
Hierzu meinte Rudyard Kipling
Oh, East is East, and West is West, and never the twain shall meet,
Till Earth and Sky stand presently at God’s great Judgment Seat;
But there is neither East nor West, Border, nor Breed, nor Birth,
When two strong men stand face to face, tho’ they come from the ends of the earth.
Goethe hat nun in seiner unnachahmlichen Weisheit im West-östlichen Diwan festgestellt, was heute gewünscht, Heines Wunsch war, aber immer noch nicht erreicht ist
Wer sich selbst und andere kennt,
Wird auch hier erkennen:
Orient und Okzident
Sind nicht mehr zu trennen.
Was aber sagte Heine seiner Mutter:
„Ich bin’s gewohnt, den Kopf recht hoch zu tragen,
Meine Sinn ist auch ein bisschen starr und zähe;
Wenn selbst der König mir ins Antlitz sähe,
Ludwig Börne, Gemälde von Moritz Oppenheim, Öl auf Leinwand (1827), WIKIPEDIA
Heines Düsseldorf, wie man weiß, war natürlich nicht Heines Düsseldorf, es war sein Paris und seine dortige Sehnsucht nach Deutschland, bis wieder gefährliche Deutsche kamen, die urplötzlich „ein Gedicht aus der Tasche zogen und über Philosophie sprachen.“
Heine schlug seinerzeit auf die deutsche Sprache ein, der Düsseldorfer hämmert darauf herum - wie wir sehen werden. Heine stand zu Lebzeiten in Deutschland auf dem Index. Heute feiert man ihn, zumindest immer häufiger. So ist der Lauf der Dinge.
Verehrung von ausgabelüsternen Despoten, die „24 Stunden am Tag Freizeit haben“, wie Heine meinte, und dann ein Denkmal vor dem Rathaus bekommen, ist einfach, denn die „prosaen“, „hymnen“, „lyren“, ja „wahrheiten“ nicht einmal, was bedeutet, man muss nicht denken, um sie zu verstehen. Man muss überhaupt nicht an sie denken, denn sie wurden lediglich geboren. Der hier sammelte Bilder, Musikinstrumente usw., und der kleine Harry Heine überlegte wie viele Kaffeelöffel man wohl aus so einem Reiterstandbild anfertigen könnte.
Sein späterer intimfeindlicher Freund, der Börne, meinte:
„Die Irrtümer eines großen Geistes sind belehrender als die Wahrheiten eines kleinen.“
Georg Friedrich Händel, WIKIPEDIA
Immerhin, Händel kam speziell, und zwar dreimal, aus London, um diese Instrumente zu sehen. Schiller war von der übrigen Sammlung, vor allem den Antiken, höchst begeistert.
Die Düsseldorfer Gemälde bilden heute den Grundstock der Alten Pinakothek in München und der Rest ist in Mannheim. Zum fünfzigsten Geburtstag (1996) der Landeshauptstadt Düsseldorf erkannten unsere Offiziellen dies nun als „Erbschleicherei“. Heinrich Heine meinte passend:
„Gebe Gott, was Gottes, dem Cäsar, was des Cäsars ist! - Aber das gilt nur vom Geben, nicht vom Nehmen.“
Goethe vergaß in seinen Briefen an Jacobi niemals, den „wackeren“ Krahe zu grüßen, ohne den es wenigstens diese Gemäldesammlung in Düsseldorf nicht gäbe.
Der Düsseldorfer meint also, datt se de janze Bilder wegjeschafft han. Na klar, de halbe oder de kapotte will ja woll ooch kinner hann. Das meint der Düsseldorfer ja auch nicht. Ganz bedeutet in diesem Falle ja auch lediglich alle. Das ist doch ganz einfach.
Heine sagte:
„Wie die Römer selbst blieb mir immer verhasst ihr Rechtskodex.........Wahrhaftig jenen römischen Dieben verdanken wir die Theorie des Eigentums, das vorher nur als Tatsache bestand, und die Ausbildung dieser Lehre in ihren schnödesten Konsequenzen ist jenes gepriesene römische Recht, das allen unseren heutigen Legislationen, ja allen modernen Staatsinstituten zugrunde liegt, obgleich es im grellsten Widerspruch mit der Religion, der Moral, dem Menschengefühl und der Vernunft steht.
Nun hat seine Universität, er ist ja endlich Namensgeber geworden, auch ein Juridicum. Sogar mittlerweile auch ein Oeconomicum. Hier könnte er viel lernen.
WETERLESEN: Düsseldorfer Sprache